Künstlergesamtliste

Vernissagen

13.7.2019 - 29.9.2019

Museum Ludwig

Familienbande. Die Schenkung Schröder

schenkung schröderIn den 1990er Jahren begann sich in Köln eine neue Kunstszene zu formieren. Es entstanden neue junge Galerien, Zeitschriften wie Texte zur Kunst und der alternative Ausstellungsraum Friesenwall 120. Alexander Schröder verfolgte diesen Aufbruch aus Berlin. Bereits als Kunststudent an der Hochschule der Künste Berlin gründete er mit Thilo Wermke eine eigene Galerie. Gleichzeitig begann er, mit einem besonderen Blick, die Kunst der 1990er und 2000er Jahre zu sammeln. Heute vermittelt seine Sammlung die eigenwillige und sinnliche Seite der durch die Konzeptkunst geprägten Jahre. Sie macht deutlich, welche Bedeutung Kunstgemeinschaften und Kollaborationen in wechselnden Konstellationen hatten. Nähe und Distanz, Verbindlichkeit und Konkurrenz, Ein- und Ausschluss traten in produktive Reibung zueinander. Alexander Schröder schenkt dem Museum Ludwig 29, teilweise raumgreifende Werke aus seiner Sammlung von Künstler*innen wie Kai Althoff, Cosima von Bonin, Tom Burr, Lukas Duwenhögger, Isa Genzken und Danh Vô. Die Ausstellung Familienbande. Die Schenkung Schröder stellt sie der Öffentlichkeit zusammen mit einer Auswahl aus der Sammlung des Museum Ludwig vor. Sie nimmt die Kunst der Wende zum 21. Jahrhundert in den Blick und fragt nach ihren besonderen Bedingungen in Köln auch im Verhältnis zu New York.

Direktor Yilmaz Dziewior: „Es freut mich sehr, dass mit der Schenkung zahlreiche Werke, die ursprünglich einmal in enger Beziehung zu Köln entstanden beziehungsweise erstmalig hier zu sehen waren, nun wieder an ihren Ursprungsort dauerhaft zurückkehren.“

andrea fraserUm 1995 erweiterte sich das Kunstfeld. Proklamierte Kunstrichtungen und Bewegungen wurden von Gruppenzugehörigkeiten abgelöst. Familienähnliche Strukturen oder Netzwerke bestimmten die Arbeitsweisen und damit auch ästhetische Entscheidungen. Cosima von Bonin stellt in ihren Arbeiten Freund*innen und Vorbilder mit familiären Verbindungen gleich. Kai Althoff übersetzt wiederum ambivalente Gruppendynamiken in eindringliche Werke, welche die Sehnsucht oder den Zwang einer Gruppenzugehörigkeit thematisieren. Kooperationen von Künstler*innen entstanden, die weniger werk- als prozessorientiert waren. Zu ihnen gehören Andrea Fraser, Renée Green, Christian Philipp Müller und Nils Norman. Ihre Arbeitsweisen konnten sich unterscheiden: Die selbsterklärte Bohème, das (temporäre) Kollektiv und das Netzwerk, das sich auf Zeit und auf bestimmte Fragestellungen hin mit offenen Austauschbeziehungen immer wieder neu bildet, waren drei mögliche Modelle. Die Schriften des Soziologen Pierre Bourdieu waren für diese institutionskritischen Künstler*innen ein wichtiger Bezugspunkt. Bourdieu beschreibt das Verhältnis zu Vorbildern unter anderem als „Strategie der Zugehörigkeit“. Renée Green spricht lieber von Kontaktzonen. Mit ihnen entwirft sie Genealogien, die anders als die Tradition auf keine lineare Historie und keinen Ursprung verweisen, sondern Geschichte als gegenwärtig und fragmentarisch vermittelt. Einen ähnlichen Anspruch hat auch Lukas Duwenhögger: die eigenen Geschichten selbstgewählter Bezüge ersetzen das biologistische Verständnis von Familie. Die aufgerufene „Familienbande“ ist auf vielfältige Weise in den besprochenen Kunstwerken der 1990er und frühen 2000er Jahre umgesetzt. Das Soziale wird zum Kunstmaterial.

von boninIm Katalog zur Ausstellung werden die Werke aus der Schenkung mit erläuternden Texten von Barbara Hess dokumentiert. Über Archivmaterial wie Einladungskarten, Flyer, Plakate, Publikationen wird ihr Produktionskontext vermittelt. Dabei wird alles Material ebenso wie die Werke chronologisch auf einem Zeitstrahl angeordnet, der auch die wichtigsten nationalen und internationalen Ereignisse in Kunst und Gesellschaft der 1990er und 2000er Jahre listet. Mithilfe einer Auswahl von zentralen Texten aus der Zeit, die repräsentativ für die vielschichtige Kunstentwicklung sind, werden die unterschiedlichen Debatten und Kontroversen abgebildet. Das Vorwort von Yilmaz Dziewior und der Essay von Barbara Engelbach stellen den Bezug des Museum Ludwig zu den 1990er und 2000er Jahren her und zeigen die Bedeutung der Schenkung für die Sammlung auf.

Die Ausstellung wird großzügig gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, den Landschaftsverband Rheinland, Dezernat Kultur und Landschaftliche Kulturpflege, die Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland sowie durch eine Förderung der Sparkasse KölnBonn aus dem PS Zweckertrag der Lotterie des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbandes PS Sparen und Gewinnen.

Kuratorin: Barbara Engelbach

Künstler*innen aus der Schenkung:
Kai Althoff, Cosima von Bonin, KP Brehmer, Tom Burr, Lukas Duwenhögger, Isa Genzken, Renée Green, Dan Graham, Ull Hohn, Hilary Lloyd, Lucy McKenzie, Christian Philipp Müller, Nils Norman, Stephen Prina, Danh Vô

Künstler*innen aus der Sammlung des Museum Ludwig:
Juliette Blightman, Tom Burr, Andrea Fraser, Isa Genzken, Renée Green, Ull Hohn, Christian Philipp Müller, Danh Vô, Stephen Willats

http://www.museum-ludwig.de/
7.6.2019 - 22.9.2019

Museum Ludwig

Benjamin Katz

KatzBenjamin Katz ist in den 1980er Jahren als Wegbegleiter der Kunst in Westdeutschland bekannt geworden. Er porträtierte Künstler*innen wie Georg Baselitz, James Lee Byars, A.R. Penck, Cindy Sherman und Rosemarie Trockel, fotografierte das Treiben der Kunstszene auf Eröffnungen oder dokumentierte das Entstehen von Großausstellungen wie Westkunst in Köln 1981, die documenta 7 in Kassel 1982 und von hier aus in Düsseldorf 1984.

Anlässlich des 80. Geburtstages von Benjamin Katz (geboren 14. Juni 1939 in Antwerpen, Belgien) wird das Museum Ludwig die noch nie gezeigte vollständige Fotoreihe Berlin Havelhöhe (1960/1961) präsentieren. Diese wurde kürzlich direkt aus dem Archiv des Künstlers erworben. Noch bevor sich Katz auch beruflich ganz der Fotografie widmete, nahm er 1960/61 während eines achtzehnmonatigen Aufenthalts im Krankenhaus Havelhöhe seine Umgebung auf. An Tuberkulose erkrankt, verbrachte er dort seine Zeit als Patient und fotografierte den Alltag: die Mitpatienten, das Krankenhauspersonal, die im Nationalsozialismus als Luftkriegsakademie errichteten Gebäude und die angrenzende Gegend. Die Fotografien stellen ein gesellschaftshistorisches, ein künstlerisches und zugleich persönliches Dokument dar, denn in den Aufnahmen sind Katz’ Anfänge als Fotograf zu entdecken. Berlin Havelhöhe vermittelt auch ein Bild des Künstlers als jungen Mann.

Direktor Yilmaz Dziewior: „Das Museum Ludwig besitzt ein großes Konvolut der Künstler*innenporträts von Katz, die über mehrere Jahrzehnte entstanden sind. Darüber hinaus befindet sich seine umfangreiche Dokumentation der Ausstellung Westkunst von 1981 in unserer Sammlung sowie Fotografien aus den Aufbauphasen vieler Ausstellungen. Umso mehr freue ich mich, dass wir mit Berlin Havelhöhe eine bedeutende frühe Serie von Katz erwerben konnten. Für das Vertrauen und dafür, dass er seine Erinnerungen mit uns teilt, möchten wir uns sehr herzlich bedanken.“

Benjamin Katz Berlin Havelhöhe, 1960/1961 Silbergelatineabzug 12,6 x 12,6 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2019 Reproduktion: Rheinisches Bildarchiv KölnGezeigt wird die gesamte Serie in Form von 41 in drei unterschiedlichen Größen abgezogenen Motiven sowie 318 auf DIN-A4-Bögen montierten Vintageprints. Ergänzend präsentiert das Museum Ludwig im ersten Stock als Teil der permanenten Sammlung bekannte Künstler*innenporträts von Katz, die er während seiner Atelierbesuche seit den 1980er Jahren aufnahm, unter anderem von Georg Baselitz, A.R. Penck, Gerhard Richter und Rosemarie Trockel.

Benjamin Katz. Berlin Havelhöhe, 1960/1961 ist die sechste Präsentation im Fotoraum, in dem seit 2017 wechselnde Ausschnitte der etwa 70.000 Werke umfassenden Sammlung Fotografie des Museum Ludwig gezeigt werden. Dieser Fotoraum befindet sich innerhalb der Ständigen Sammlung im zweiten Obergeschoss.

Zur Präsentation erscheint ein Katalog im Hirmer Verlag. Mit Beiträgen von Yilmaz Dziewior, Barbara Engelbach und Benjamin Katz, 160 Seiten, 73 Abbildungen, deutsch/englisch, 22 Euro (Buchhandelspreis), 20 Euro (Museumspreis)

Die Ausstellung wird gefördert durch die Dr. Becker Klinikgruppe und die Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig.

Kuratorin: Barbara Engelbach

http://www.museum-ludwig.de/
29.6.2019 - 24.8.2019

Thomas Rehbein

Francois Jacob - ECHOES

Die Werke des belgischen Malers François Jacob zeigen meist Figuren in einer bühnenartigen Situation, wodurch ein
performatives Setting gegeben ist. Auch wirken manche Bilder Jacobs in ihrer abstrahierenden Verschwommenheit tatsächlich wie Filmstills, wie dem Kontinuum des Narrativen entrissene Momentaufnahmen.

JacobDas häufige Vorkommen von Masken im Werk François Jacobs, das heißt die Darstellung maskierter Menschen respektive auch Maskierungen der Gesichter durch „Überblenden“, Verschattungen oder auch Verhüllungen evoziert ein Erlebnis des Unheimlichen. „Unheimlich“ erscheint überhaupt als das passendste Wort für die Bilder von François Jacob, denn wir sehen immer wieder Menschen, Figuren, Tiere oder (maskierte) Mischwesen, die sich in dem voyeuristischen Ausgeliefertsein und der zur Handlung zwingenden Situation einer Bühne befinden. Oder sie sind an einem vollkommen unbestimmten, undefinierbaren
Ort angesiedelt, an dem sie der Leere, oder vielleicht sogar noch schlimmer: einem unproportional großen Gegenüber
ausgeliefert sind. Der Grund der Existenz dieser Gegenüber ist nicht nachvollziehbar; die riesigen Köpfe, Torsi oder Figuren
scheinen wie vom Himmel gefallen. Die dargestellten Szenen wirken befremdlich, finster, ungeheuer oder gar gruselig – die
Liste der möglichen Synonyme für „unheimlich“ ist lang. Die geheimnisvoll bis mysteriös wirkende Atmosphäre der präsentierten
Szenen teilt sich ganz direkt in ihrer vermeintlich unheilvollen Dramatik den Betrachter*innen mit, auch, oder vielleicht auch
gerade wegen der meist kleinen oder mittelgroßen Formate der Leinwände, auf denen die surrealen Situationen konzentriert
dargestellt werden. Auch das gemalte Licht spielt in den verschiedenen Szenerien eine eminente Rolle, denn es betont noch
einmal besonders stark das bühnenhafte Setting mit all seinen Implikationen, und dramatisiert zugleich die Szenen.

Dass sich das Gefühl des Unheimlichen von der Malerei François Jacobs so gut auf die Rezipienten überträgt, liegt also zum
einen an den Sujets, vor allem aber – und nun kommen wir zum zweiten Grund, warum das Attribut „unheimlich“ auf einer
anderen semantischen Ebene so gut zu den Bildern von François Jacob passt – nämlich aufgrund der unheimlich guten, da
enorm evokativen Verwendung von Farbe. Sie scheint beim Betrachten der Bilder von François Jacob durch ihre geschickten
Verläufe und komplementären Kombinationen ein ganzes Spektrum an gemischten Gefühlen auslösen zu können. Einen
farblichen „Normalzustand“ gibt es kaum.

Oel auf Leinwand_35x28cmFrançois Jacob taucht mit den verwendeten Farben die Settings in absonderliche Stimmungen, die dem Unheimlichen alle Ehre machen. Auf die Frage, wie sich der Prozess der Farbfindung vollzieht, wie Jacob zu den „richtigen“ Valeurs in seinen Bildern kommt, die ihren Ausgangspunkt größtenteils in fotografischen Vorlagen aller möglichen Quellen haben, meint der Künstler:
„Each painting starts with digital images and digital treatment of them, in black and white mode. The computer become useless
as soon as I think color and begin to paint. The color and the paint are the same body. It is for me a very sensual practice that
has to have no other leach than feeling. [...] The composition and the light of the images (photographs) from which I start are
always reworked in order to create the right atmosphere and so, to become something new. But the first step is to convert them
in black and white mode, in order to get free of the chromatic information of the sources and to start on "mental" colors. Then
the choice of the tints is something about a research progress. I make a lot of color samples and tests on small size supports.
Trying to reveal the nature of each color and the most relevant alliances. I 've always had the feeling that there is some kind of
knowledge (lost or missed) about the color and the pigments. A knowledge I had to seek through an intimate and experimental
practice. Because of their own properties, the association of colors induce a net of sensible relations. I just try to listen to these
things in order to set a dialogue and a balance serving the image to come.”

François Jacob, Sirènes, 2019, Öl auf Leinwand / oil on canvas, 130 x 180 cmFrançois Jacobs Bildern wird immer wieder eine altmeisterliche Ausführung zugeschrieben, und tatsächlich tauchen vor dem geistigen Auge beispielsweise aufgrund der starken Helldunkel-Kontraste, der farblichen Tonalitäten oder der Motive Referenzbilder von Künstlern wie Michelangelo Merisi da Caravaggio, Paul Cézanne, Edgar Degas oder auch James Ensor
hervor. Aber zugleich sind François Jacobs Bilder absolut zeitgenössisch. Zeitgenössisch sind sie in erster Linie deshalb, weil
sie die Menschen in unheimlichen, zwanghaften, skurrilen oder gar bedrohlichen Situationen zeigen. In Anbetracht der
gegenwärtigen vielfältigen Herausforderungen, der sich die Menschheit gegenübersieht, wie etwa die zunehmende
Globalisierung, Digitalisierung, Automatisierung usw. schafft Jacob zwar zeitenthobene, aber starke Visualisierungen, ohne
jemals konkret zu werden. Seine Bilder spiegeln vielmehr im übertragenen Sinn einen gewissen Zeitgeist wider. Der
zunehmende Populismus kennt nur noch das verzerrt Unausgewogene, faktisch Haltlose, hetzerisch Diffamierende und ist
damit in höchstem Maße unheimlich. Zeitgenössisch sind Jacobs Bilder zum anderen aber auch aufgrund ihrer Farbigkeit, weil
sie dazu animiert, an digitale Farbmodifikationen zu denken, die jedes Bild dank Photoshop oder anderer Software im
Handumdrehen in einen wie auch immer gearteten Farbraum verfrachten kann. Die Farben sind teils so „überdreht“, dass man
meinen könnte, auf der Rückseite der Leinwände seien Farbregler, die zu intensiv benutzt worden sind. Durch überwiegend
kleine Formate der Leinwände ist die Farbigkeit jedoch nicht nur gut zu ertragen, sondern zieht die Betrachter*innen fokussiert
in ihren Bann. Gerade in Zeiten des „faster, bigger, better“ sind die Größen erfrischend sympathisch.
François Jacob ist ein Maler von Figuren. Mal sind sie nur schemenhaft angedeutet, mal konkreter definiert. Mal sind sie in
surreale Szenen eingebunden, mal vor nebulösem Hintergrund dargestellt. Selten schauen seine Figuren aus dem Bild heraus,
noch seltener die Betrachter*innen direkt an. Sie sind mit sich und ihrer Welt beschäftigt, sind versunken und ohne Empathie
auf ihr Tun konzentriert. Einer bringt jedoch Licht in die Welt. (aus einem Text von Dr. Andreas Beitin, 2019)

http://www.rehbein-galerie.de

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Die Schenkung Schröder
13.07.-29.09.19

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