Künstlergesamtliste

Vernissagen

1.8.2020 - 30.7.2022

SKULPTURENPARK KÖLN

KölnSkulptur #10

ÜberNatur – Natural Takeover

Der Skulpturenpark Köln ist ein besonderer Ausstellungspark, an dem die einstmals von Michael und Eleonore Stoffel zusammengetragene Sammlung gemeinsam mit Leihgaben vergangener KölnSkulptur-Ausgaben präsentiert wird. Alle zwei Jahre ergänzen wechselnde Kurator:innen den Parkbestand um neue Arbeiten, die zum Großteil speziell für die Ausstellung konzipiert werden. Der Skulpturenpark Köln ist ein interessanter Hybrid aus Dauer- und temporärer Gruppenausstellung.

 
kölnskulpturÜberNatur – Natural Takeover ist die inzwischen 10. Ausgabe der KölnSkulptur. Inspiriert von der Lage des öffentlichen Parks zwischen Rhein, Kölner Zoo, Flora und Botanischem Garten wurden diesmal Arbeiten in Auftrag gegeben, die sich mit dem Thema Natur auseinandersetzen und auf diese Weise mit ihrer Umgebung korrespondieren.

Lois Weinbergers Spur (2015) kann als Fundament für die diesjährige Ausstellung betrachtet werden. Bei der für die KölnSkulptur #8 in Auftrag gegebenen Arbeit handelt es sich um eine sechzig Meter lange, durch den Park geschlagene Schneise, in der nach und nach ein Ökosystem aus (Unkraut-)Pflanzen und Tieren entstanden ist. Die Schneise ist ein Einschnitt in die Parklandschaft und fragt nach den Bezügen zwischen artifizieller Planung und natürlicher Pflanzung. Das Oszillieren zwischen „Natürlichkeit“ und „Künstlichkeit“ und die Infragestellung dieser gegensätzlichen, ohnehin vagen und wechselhaften Begriffe bildete den Ausgangspunkt für Überlegungen darüber, welche Kunstwerke für die KölnSkulptur #10 ausgeliehen oder in Auftrag gegeben werden sollten. Die aktuelle Ausgabe betont den „Park“ im „Skulpturenpark“ sowohl als konkrete Örtlichkeit, als auch im Hinblick auf die wachsende Sorge um den Platz des Menschen in einem größeren ökologischen Kontext, in dem Menschen, Tiere und Pflanzen in mannigfachen Zusammenhängen und vor dem Hintergrund der Umwelt- beziehungsweise Klimakrise koexistieren.

KölnSkulptur #10 öffnet inmitten einer verheerenden globalen Pandemie, die durch den seltenen Übersprung eines Virus von einem Tier auf den Menschen ausgelöst wurde. Durch die immer stärkere Vernetzung der Welt konnte sich das Virus millionenfach verbreiten. Die „neue Normalität“, mit der wir durch die Pandemie konfrontiert sind, lässt uns die Welt mit anderen Augen betrachten. Kunst und Kunstausstellungen sind davon nicht ausgenommen. Es kommt jetzt darauf an, das gesellschaftliche Bewusstsein für die globalen Folgen des wirtschaftlichen Wachstumsstrebens und dessen Auswirkungen auf die Umwelt zu schärfen. Gleichzeitig geht es darum, sich wieder auf die visionäre Kraft der Kunst und ihre Fähigkeit zu besinnen, Neues zu denken und neue Sinn-Formen zu erschließen, vor allem solche, die von Logiken der Nützlichkeit und Effizienz unberührt sind.

ÜberNatur – Natural Takeover hinterfragt die Monumentalität von Außenskulpturen. Die Ausstellung changiert zwischen klein- und großformatigen Exponaten. Bei der kleinsten Arbeit von Ayşe Erkmen handelt es sich um eine Nachbildung der letzten hawaiianischen Baumschnecke, die Lonely George genannt wurde und 2019 starb, nachdem Wissenschaftler:innen vierzehn Jahre lang erfolglos versucht hatten, eine Partnerin für den Gastropoden zu finden. Bei der größten Arbeit von Dane Mitchell handelt es sich um zwei künstliche Bäume, die zur Tarnung von Funkmasten und Überwachungstechnologien in China massenproduziert werden. Sie wurden von der letztjährigen Biennale in Venedig, wo sie als Beitrag des Neuseeländischen Pavillons zu sehen waren, nach Köln gebracht.

Neben diesen beiden Arbeiten können Besucher:innen fünf weitere Werke erleben, die grundlegende Fragen der Geburt, des Entstehens, des Wachstums und des Verfalls berühren. Dabei werden verschiedene Stränge unterschiedlicher Ebenen miteinander verwoben, um vielfältige Verbindungen zu schaffen.

Im Zentrum der „neuen Normalität“ steht das Bedürfnis zu kommunizieren, verstanden zu werden und zu verhandeln. Mary Bauermeisters Skulptur Rübezahl kann als Mittelpunkt der KölnSkulptur #10 angesehen werden. Die Arbeit bietet den Besucher:innen einen Ort zum Nachdenken und Sichversenken und öffnet einen Raum, an dem die Natur übernimmt.


Tobias Berger

Kurator KölnSkulptur #10

http://www.skulpturenparkkoeln.de/
14.9.2020 - 16.8.2021

Kolumba (Diözesan-Museum)

Das kleine Spiel zwischen dem Ich und dem Mir

Kunst und Choreografie

Eine Kooperation von Kolumba und tanz.köln

Heinz Breloh, »Büro für Augen, Nase, Zunge, Mund, Herz, Hand und Maske (die alles überdeckt)«, Anne Teresa De Keersmaeker/Rosas, Esther Kläs, Bernhard Leitner, Duane Michals, Richard Tuttle, Hannah Villiger

Dreigesicht Schnepf»Das kleine Spiel zwischen dem Ich und dem Mir« ist eine Ausstellung mit acht Kapiteln, die sich in einer öffentlichen Aufbauphase fortlaufend verändern und zusammenfügen wird. Sie vereint Arbeiten von Künstler_innen, die herkömmliche Körperbilder einer kritischen Revision unterziehen und in verschiedenen künstlerischen Medien nach anderen Möglichkeiten der Repräsentation suchen. Die Ausstellung holt die Choreografie und den Tanz von der Bühne weg in den Aktionsraum des Museums, um die unterschiedlichen Ausdrucksmöglichkeiten miteinander in Kontakt zu bringen und übergreifende Fragestellungen erlebbar zu machen: Wie kann man einen Körper wiedergeben? Welche Rolle spielen körperliche Erfahrungen und Erinnerungen in der Wahrnehmung von Welt? Gibt es ein spezifisch körperliches Denken? Welche Spuren eines choreografischen Denkens gibt es in der bildenden Kunst? Wie adressiert und inszeniert ein Kunstwerk sein Gegenüber? Ist eine Ausstellung eine Choreografie? Was für eine Rolle spielen dabei institutionelle Regeln und Handlungsanweisungen?

http://www.kolumba.de/
12.12.2020 - 18.4.2021

Museum Ludwig

Andy Warhol Now

„Altered Image“ 1981 von Christopher Makos, eine Zusammenarbeit mit Andy WarholAndy Warhol gilt unbestritten als der bekannteste Vertreter der Pop Art. Seine ikonischen Motive wie Marilyn, Campell‘s Suppendose oder Coca-Cola-Flaschen sind Teil des kollektiven Gedächtnisses. Dreißig Jahre nach seiner letzten Retrospektive in Köln stellt die Ausstellung Andy Warhol als einen Künstler vor, dessen innovatives Schaffen gerade für eine junge Generation im Zeitalter von Migration und gesellschaftlicher Diversität neu zu entdecken ist.

Andy Warhol (*1928 in Pittsburgh, † 1987 in New York) hat mit seiner Persönlichkeit Menschen in seinen Bann gezogen und polarisiert; seine Kunst hat eine ganze Ära geprägt. Sein facettenreiches Werk hat die Grenzen von Malerei, Skulptur, Film und Musik neu definiert. Mehr noch als seine bewussten Flirts mit der Welt des Kommerz und der Celebrities machen ihn aus heutiger Sicht seine Parteinahmen für alternative Lebensentwürfe zum Ausnahmekünstler, der unvermindert neue Lesarten und Erkenntnisse zu offenbaren vermag.

Als scheuer junger Mann aus religiös geprägtem Arbeitermilieu bahnte sich Warhol seinen Weg in die noch vom abstrakten Expressionismus dominierte Kunstwelt. In seinem Frühwerk stehen persönliche, oft homoerotische Zeichnungen neben Auftragsarbeiten als erfolgreicher Werbeillustrator; mit seinen unverkennbaren Siebdruckbildern wird er zum Inbegriff der neuen Pop-Art-Bewegung. Seine Streifzüge durch Werbung, Mode, Musik, Film und Fernsehen bezeugen Warhols lebenslange Faszination für populäre Massenkultur. Aber ebenso wie seine Celebrity-Porträts oder Coca-Cola-Flaschen der amerikanischen Gesellschaft einen Spiegel vorhielten, steht Warhol für eine diverse, queere Gegenkultur, die nicht zuletzt in seinem New Yorker Studio, der Factory, ihren Ausdruck fand.

Skull, 1976 Sammlung Froehlich, Stuttgart © 2021 The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc. Licensed by Artists Rights Society (ARS), New YorkDie groß angelegte Ausstellung nimmt mit über 100 Werken in vielfältigen künstlerischen Medien diese Spur auf und beleuchtet Warhols erweiterte künstlerische Praxis vor dem Hintergrund drängender gesellschaftlicher Fragen. Berühmte Schlüsselwerke wie die Elvis Presley-Reihen oder die Farbvariationen eines Elektrischen Stuhls sind ebenso vertreten wie weniger beachtete Aspekte, die einen aktuellen Blick auf diesen Jahrhundertkünstler in einer Zeit politischer und kultureller Umbrüche ermöglichen. So werden die Einflüsse von Warhols Migrationshintergrund als Sohn russinischer Eltern in Pittsburgh beleuchtet, die sich unter anderem in einer komplexen Verarbeitung religiöser Themen und Motive spiegeln.

Viele Arbeiten, etwa die grandiose Serie Ladies and Gentlemen, zeigen Warhol als queeren Künstler, der Offenheit und Vielfalt als grundlegende und lebensnotwendige Faktoren einer diversen Gesellschaft postulierte. So verhandelt Warhol in seinem Schaffen immer wieder souverän Themen, die noch oder gerade heute eine hohe Aktualität aufweisen.

Andy Warhol Now ist eine Kooperation des Kölner Museum Ludwig und der Londoner Tate Modern (12. März – 15. November 2020). Weitere Station ist 2021 die Art Gallery of Ontario in Toronto.

Kuratoren: Stephan Diederich und Yilmaz Dziewior
Für die Tate Modern: Gregor Muir, Director of Collection International Art und Fiontán Moran, Assistant Curator

Die Ausstellung wird unterstützt durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, die Peter und Irene Ludwig Stiftung, die REWE Group, die Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig e.V., die Freunde des Wallraf-Richartz-Museum und des Museum Ludwig e.V. und die Strabag Real Estate GmbH.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog in deutscher und englischer Sprache, herausgegeben von Gregor Muir und Yilmaz Dziewior, mit Texten von Kenneth Brummel, Diedrich Diederichsen, Stephan Diederich, Yilmaz Dziewior, Olivia Laing, Fiontán Moran, Gregoir Muir, Charlie Porter, and Martine Syms. London/Köln 2020/2021, 224 Seiten. 200 Farbabbildungen, 21,9 x 28,9 cm, Verlag der Buchhandlung Walther König. 38 EUR (Buchhandel), 30 EUR (Museum)

http://www.museum-ludwig.de/
27.2.2021 - 3.4.2021

Thomas Rehbein

Anna Lena Grau !

Die Thomas Rehbein Galerie freut sich, die sechste Einzelausstellung der Künstlerin Anna Lena Grau vom 15. Januar bis 20. Februar 2021 ankündigen zu können.

Grau ist eine Meisterin des experimentellen Kunstgusses. Bereits seit über zwei Jahrzehnten entwickelt sie, geleitet von ihrer poetischen Vorstellung noch unrealisierter Formvorhandenheit oder eines Form-Möglichen, das “geschlossene“ Verfahren des Gießens weiter. Dabei bedarf bereits der mehrschrittige Prozess des traditionellen Handwerks eines hohen fachlichen Wissens und besonderer Kunstfertigkeit. Dient der Kunstguss im Allgemeinen dazu, über den Abdruck eines Gegenstandes einen weiteren und normalerweise identischen herzustellen, griff und greift Grau in die Zwischenstadien ein und verselbstständigt Teilschritte des Verfahrens, um den künstlerischen Spielraum zu erweitern. Spezifischer gesagt, um den Raum, der zwischen Form-Positiv und Form-Negativ liegt, als eigentliche und selbstständige Form zu ermöglichen.

Was liegt zwischen Form-Positiv und Form-Negativ?

In den „Packstücken“ ist die Figur der verlorenen Form (das Form-Negativ) selbst die eigentliche skulpturale Figur. Graus „Packstücke“ stellen die zerlegten Adjutanten der global reisenden Menschen dar – jedem Stück liegt die Abformung eines konkreten Koffers zugrunde. Die Reduktion auf klare, konkrete Elemente und das Fehlen jeglicher schmückenden Anteile, sprich, aller Zusätze, die nicht zwangsläufig zum Objekt gehören, rufen sowohl Tendenzen der Minimal-, als auch Pop Art in Erinnerung. Graus Koffer allerdings sind in ihrer Handlichkeit brüchig geworden und rau – wie in den Schichten seiner Oberfläche aufgeriebenes Schwemmgut. Es sind skulpturale Figuren, die ihre konkrete Gestalt, ihr Form-Positiv überschreiten oder entblättern und in die nächste Dimension des Juddschen „it is, what it is“, blind und tastend hineinfallen. So zeigt sich den Betrachter*innen an der Oberfläche der Figuren offensichtlich die “Befindlichkeit“ der Skulptur. Ihre Situativität, die sich als Kategorie des Raums, der Haptik, der Optik, ihres Gewichts und der gestaltlichen Form äußert.

Anna Lena Grau„Bugscurtain“, eine Gemeinschaftsarbeit zwischen Anna Lena Grau und Julia Frankenberg, lässt mitunter aufgrund der vorhangartigen Aufhängung an Ketten, eine Wand voller Votivtafeln assoziieren. In oder auf ihnen sind konkrete Abdrücke und Ausstülpungen zu sehen, von Händen, von bestimmten Handgesten und von quasi naiven Reliefformationen, die anmuten wie vorzeitliche Versteinerungen von Skeletten. Einzelne andere Tafeln lesen sich als Aufsprengung dessen, was die Grundlage der vorher identifizierten Formation dient: die vermeintlich flache/sichere Fläche. So ist eines der “Votiv“-Objekte beispielsweise ein Multiplikat an Tafelflächen, und bei einem anderen endet die Rahmung als lose Linie.

Sind „Bugs“ in Aluminium veredelte Objekte, die mit dem Fetisch der Votivtafel spielen, manifestiert sich das mit ihnen Gelobte oder Versprochene (das Votum), als Ausbuchtung der lebendigen – oder auch toten Körperform. Körper, die ihre Gestalt in die weiche Fläche gedrückt haben, geknetet wurden oder eingedrungen sind. So sind „Bugs“ Etüden einer durchweg unheimlichen Vorstellung. Denn was würde passieren, wenn eine Tafel, ein Screen oder ein Handydisplay plötzlich plastisch und weich werden würde?

Maulwürfe graben fantastische Tunnelsysteme, ja ganze Architekturen durch die verborgenen Erdschichten – und das blind. Wir sehen nur die Spuren der Tierchen, den an die Oberfläche beförderten Aushub ihrer heroischen Arbeit: die wohlbekannten Maulwurfhügel. Über diese ärgert man sich oder stolpert auch mal darüber, denn spektakulär sind sie nicht. Organisch krümelige Haufen an Erdmaterie, die weichen mussten, um den Lebensraum des Tierchens zu ermöglichen. Gleichzeitig markieren sie die Ein- und Ausgänge zu den verschlungenen Wegen unter der Erde. Sie sind Wegzeichen, sie sind Male auf der Erdoberfläche.

Die Maulwurfhügel sind Graus früheste Gussarbeiten. Um das eigentlich weiche Material, die tonige Erde, im Original abgießen zu können, machte sie sich in der winterlichen Landschaft auf die Suche nach Maulwurfhügeln. In Plain Air, meist auf Kuhweiden, richtete sie kleine Gießstätten um einzelne der durch den Frost erhärteten Hügelchen ein und nahm von der gefrorenen, und somit erhärteten Erde mit Schamotte den Abdruck für den Abguss der Form in Bronze. Ihr Blick richtet sich – nun ist sie Forscherin – auf die im Detail wilde Formenlandschaft der Hügel, jeder Einzelne hat seinen eigenen Charakter, ist individuell – auch oder trotz seiner situativen Zufälligkeit. Bei einem der Hügel sind die Erdbrocken schon etwas abgetragen, bei einem anderen war der Schwung der Aushebung wohl größer, die umgebende Erde nasser, oder grobkörniger.

Und doch gilt der Blick auf das Eigenleben der Formationen nicht der Fertigung eines getreuen Porträts oder Identifikation. Graus Untersuchungen gelten nicht dem Phänomen der Oberfläche, sondern vielmehr ihrem Brüchigwerden als Grenze zu einem anderen - konkret und imaginär – vibrierend poetischen Raum. Ihre Skulpturen geben den Dingen, die normalerweise dem leblosen Raum zugeordnet werden, ihre Poesie zurück und lassen uns ihre Verletzlichkeit, ihre Ausgesetztheit und Intimität sehen.

(Franziska Glozer, 2020)

http://www.rehbein-galerie.de

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Andy Warhol Now
bis 18.4.2021

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