Künstlergesamtliste

Vernissagen

23.11.2018 - 24.3.2019

Wallraf-Richartz-Museum

Es war einmal in Amerika

300 Jahre US-amerikanische Kunst

Im Winter 2018/19 widmet sich das Wallraf-Richartz-Museum mit einer großen Überblicksausstellung der US-amerikanischen Kunst zwischen 1650 und 1950. Die Sonderschau beginnt mit Werken aus der Kolonialzeit, führt zu den Meistern des amerikanischen Realismus und endet mit Beispielen des Abstrakten Expressionismus. Mehr als 130 Leihgaben aus den renommiertesten Sammlungen und Museen der Vereinigten Staaten und Europa holt das Wallraf für „Es war einmal in Amerika“ nach Köln. Darunter Werke von berühmten Künstlern wie Benjamin West, John Copley, Edward Hopper, George Bellows, Georgia O'Keeffe, Mark Rothko und Barnett Newman. Die meisten Exponate waren bisher nur selten oder noch nie in Deutschland zu sehen. Die Ausstellung läuft vom 23. November 2018 bis zum 24. März 2019 ausschließlich in Köln.

Edward Hopper (1882 – 1967), Hodgkin’s House, 1928, Öl auf Leinwand, PrivatsammlungDank der herausragenden Qualität der Exponate erhalten die Besucher einen einzigartigen Einblick in die faszinierende Vielfalt von drei Jahrhunderten US-amerikanischer Kunst. Wie lebendig, innovationsbereit und experimentierfreudig diese war, veranschaulichen sowohl weltberühmte als auch hierzulande kaum bekannte Gemälde, Skulpturen und Fotografien sowie Beispiele der Native American Art. Aufgeteilt in acht Ausstellungskapitel spiegeln die Exponate in chronologischer Abfolge grundlegende künstlerische Entwicklungen und Strömungen. Die Schau beweist eindrucksvoll, dass es nicht „die eine“ US-amerikanische Kunstgeschichte gibt, sondern eine Vielzahl derer. „Es war einmal in Amerika“ bietet einem breiten Publikum die einmalige Chance, der US-amerikanischen Kunst mit einem aktuellen Blick zu begegnen und nicht zuletzt auch das jeweils eigene Amerikabild zu erweitern. Nach Inhalt und Umfang wird die Sonderschau im Wallraf die erste ihrer Art in Deutschland sein. Die Ausstellung wird gefördert von der Kunststiftung NRW.

http://www.wallraf.museum/
1.9.2018 - 24.3.2019

Museum Angewandte Kunst

Andy Warhol – Pop goes Art

Das MAKK – Museum für Angewandte Kunst Köln präsentiert erstmals die bislang unveröffentlichte Privatsammlung von Ulrich Reininghaus, die nahezu lückenlos alle von Andy Warhol gestalteten, konzipierten und produzierten Plattencover sowie zahlreiche Skizzen und Entwürfe umfasst. Zusammen mit Filmen, Hörbeispielen, Fotografien und weiteren Arbeiten von Warhol dokumentiert die Ausstellung  ̶  getreu dem Titel „Pop goes Art“  ̶  das Zusammenspiel der Medien Kunst und Musik.

Andy Warhol, Plattencover „The Velvet Underground & Nico”, LP, 12” (30 cm),Foto: RBA Köln, Marion MennickenAndy Warhol (1928-1987) setzte sich während seiner gesamten beruflichen Laufbahn mit dem Medium Schallplatten-Cover auseinander, nicht nur als Grafiker und Künstler, sondern auch als Produzent. Er gestaltete Plattencover für international renommierte Interpreten und für die unterschiedlichsten Musikgenres von Jazz, Klassik, Pop, Rock, Punk, New Wave bis hin zu Radioreportagen und Filmmusik. Hierzu zählen das legendäre und skandalöse Album der Rolling Stones „Sticky Fingers“ oder Cover für Diana Ross, John Lennon, Paul Anka, Miguel Bosé oder das NBC Symphony Orchestra.

Durch Zeichnungen, Siebdrucke, Fotografien Collagen sowie eigenwillige kalligraphische und dreidimensionale Elemente prägte Warhol die Ästhetik der zeitgenössischen Plattencovergestaltung. Gleichzeitig sind die über einen Zeitraum von rund 40 Jahren entstandenen, zum Teil in sehr hohen Auflagen erschienen Alben ein eindrucksvolles Dokument für Warhols künstlerischen Werdegang, seine Pop-Philosophie und die für sein Werk prägende Idee der seriellen Kunst.

Absoluten Kultstatus hat mittlerweile das Album „The Velvet Underground & Nico“. Dieses Debütalbum der experimentellen Rockband The Velvet Underground mit der Sängerin Nico wurde von Andy Warhol produziert und im März 1967 veröffentlicht. Das ebenfalls von ihm konzipierte Plattencover zeigt eine Banane, deren gelbe Schale in Form eines Aufklebers gemäß des Slogans „Peel Slowly and See“ abgezogen werden kann, so dass das rosa Fruchtfleisch erscheint.

2018 jährt sich der 90ste Geburtstag Andy Warhols sowie der 80ste Geburtstag bzw. 30ste Todestag der aus Köln stammenden Musik- und Modeikone Nico (gebürtig Christa Päffgen), die als Warhols Muse Teil der Factory war und in zahlreichen Filmen Warhols wie beispielsweise „The Chelsea Girls“ mitspielte. In der Ausstellung erinnern Fotografien an Nico und am Eröffnungswochenende (30.8.-2.9.2018) finden in Kooperation mit dem Musikfestival c/o pop Konzerte im Museum statt – eine Hommage an die Sängerin Nico.

 

Ausstellungseröffnung: Freitag, 31. August 2018, 19 Uhr

http://www.makk.de/
15.9.2018 - 13.1.2019

Museum Ludwig

Gabriele Münter-Malen ohne Umschweife

Gabriele Münter (Berlin 1877–1962 Murnau) war eine zentrale Künstlerfigur des deutschen Expressionismus und der Künstlergruppe Der Blaue Reiter, deren Gründung in Münters Haus in Murnau stattfand. Über ihre Rolle als engagierte Persönlichkeit, Vermittlerin und langjährige Lebensgefährtin Wassily Kandinskys hinaus, zeigt diese Ausstellung wie wichtig und eigenständig Gabriele Münter als Malerin war. Erstmalig werden der Öffentlichkeit über 100 Gemälde präsentiert, die einen neuen Blick auf diese starke Künstlerin erlauben.

Münter gehört zu den wenigen erfolgreichen Frauen der künstlerischen Moderne. Ihre Offenheit und Experimentierfreudigkeit als Malerin, Fotografin und Grafikerin wird nun zum ersten Mal ausführlich präsentiert. Zu ihren bekannten Gemälden gehören Porträts, etwa von Marianne Werefkin oder Kandinsky sowie romantische Landschaften ihrer bayerischen Wahlheimat. Mit seltenen Fotografien, die Münter um 1900 bei einer mehrjährigen USA-Reise aufgenommen hat, beginnt die Ausstellung; im Mittelpunkt steht ihr malerisches Œuvre, das neben farbintensiven Porträts und Landschaften auch Interieurs, Abstraktion oder „primitivistische Bilder“ umfasst.

Der Expressionismus ist im Museum Ludwig insbesondere durch die Sammlung Haubrich stark vertreten: Im Bestand sind Gemälde von Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Max Pechstein, Otto Müller und ebenso Künstler des Blauen Reiter wie Wassily Kandinsky Franz Marc, August Macke, Alexej Jawlensky. Ein Bild von Gabriele Münter fehlt erstaunlicherweise. Anlässlich der Ausstellung wird das Museum Ludwig nun die Arbeit Knabenkopf (Willi Blab) von Gabriele Münter mit Hilfe der Freunde des Wallraf-Richartz-Museum und des Museum Ludwig e.V. erwerben.

Dame im Sessel schreibend (Stenographie. Schweizerin in Pyjama), 1929 Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, München © VG Bild-Kunst, Bonn 2018Ein Großteil der Werke stammt aus der Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung und aus dem Lenbachhaus in München, das diese Ausstellung organisiert, sowie aus internationalen Sammlungen wie dem Des Moines Art Center, Iowa, dem Centre Pompidou, Paris oder dem Israel Museum, Jerusalem.

Kuratoren: Matthias Mühling, Direktor Lenbachhaus, München und Isabelle Jansen, Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, für die Station in Köln: Rita Kersting, Stellvertretende Direktorin Museum Ludwig
Die Ausstellung wird großzügig unterstützt von dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen sowie der Peter und Irene Ludwig Stiftung.
Eine Ausstellung der Städtischen Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München und der Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, München in Kooperation mit dem Louisiana Museum of Modern Art, Humblebæk und dem Museum Ludwig, Köln.
Der Katalog zur Ausstellung Gabriele Münter – Malen ohne Umschweife ist im Prestel Verlag erschienen. Herausgegeben von Isabelle Jansen und Matthias Mühling. Gebundenes Buch, Pappband, 272 Seiten, 20,0 x 27,0 cm, 248 farbige Abbildungen, 49 s/w Abbildungen, 39,95 Euro.

Eröffnung: Freitag, 14.9.2018, 19 Uhr

http://www.museum-ludwig.de/
16.11.2018 - 13.1.2019

Galerie Julian Sander

Rosalind Solomon

Carnival 1980

Rosalind Fox Solomon was born in 1930 in Highland Park, Illinois and currently lives in New York City. She is celebrated for her portraits and her understanding of human suffering, ritual, survival and struggle, which is repeatedly visible in her work. The photographs move back and forth between the personal and the universal. Her talent lies in her ability to interpret and photograph both the social elements of the places she travels to and the obsessions and fears that travel with her.

salomonRosalind Fox Solomon has been associated with the Sander family for decades. Already in 1978, Gerd Sander showed her work in his Washington gallery. She lived in Washington DC for a period in time around 1977, while her husband was an Administrator of the General Services Administration. She photographed artists and politicians there, including Louise Nevelson, Eva Le Gallienne, William Christenberry and Tony Smith.

Solomon sees photography as a medium and not just as an art form: object and content play an equal role. The gallery Julian Sander picks up on this essential aspect of her work by presenting the photographs as a space-consuming installation, which makes the works tangible in their front and back.

www.galeriejuliansander.de
16.11.2018 - 12.1.2019

Pamme Vogelsang

Heike Schwegmann

Heike SchwegmannKeine Ahnung von der Welt

Der überwiegende Teil der Zeichnungen und Gemälde von Heike Schwegmann zeigt eine scheinbar mögliche, in Details aber eher unmögliche Situation. Auf den ersten Blick ist alles stimmig - beim zweiten Hinsehen offenbaren sich Brüche. Die Ahnung von einer Welt außerhalb unserer Realitäten. In ihren Bildtiteln gibt Heike Schwegmann den Titel der "Geschichte" vor - die Geschichte selbst bleibt von ihr unerzählt und unserer eigenen Intuition vorbehalten.

Die dritte Einzelausstellung von Heike Schwegmann in unserer Galerie zeigt neue Arbeiten aus ihrer "Parallelwelt".

Das Künstlergespräch ist am 12. Januar 2019 um 12 Uhr.

https://www.pamme-vogelsang.de
31.8.2018 - 6.1.2019

Museum Ludwig

Doing the Document

Fotografien von Diane Arbus bis Piet Zwart
Die Schenkung Bartenbach

Diane Arbus, Boris Becker, Karl Blossfeldt, Walker Evans, Lee Friedlander, Candida Höfer, Gabriele und Helmut Nothhelfer, Tata Ronkholz, Albert Renger-Patzsch, August Sander, Hugo und Karl Hugo Schmölz, Garry Winogrand, Piet Zwart – generationsübergreifend eint all diese Fotograf*innen eine Arbeitsweise, nämlich über Jahrzehnte hinweg kontinuierlich Themen zu verfolgen. Bei Sander können solche Reihen einen Atlas der Menschen des 20. Jahrhunderts bilden, bei Höfer ein Archiv von öffentlichen Räumen und deren Codes der Repräsentation, oder bei Blossfeldt ein solches der Formenvielfalt von Fauna und Flora. In der „direkten Fotografie" vereinigt sich die wechselvolle Rezeption der Fotografie als künstlerische und dokumentarische auf besondere Weise.

DAvid HockneyIn der Zusammenschau lässt sich zugleich der wechselseitige Einfluss deutscher und amerikanischer Positionen in der verdichteten Kulturlandschaft des Rheinlandes der 1960er bis 1990er Jahre nachvollziehen. Hier waren in den 1970er Jahren die ersten Galerien für Fotografie zu finden, die sich für August Sander, Florence Henri, Piet Zwart, Karl Blossfeldt, aber auch für die amerikanischen Positionen der 1960er Jahre wie Walker Evans, Diane Arbus, Lee Friedlander, Garry Winogrand begeisterten und durch kontinuierliche Vermittlungsarbeit bekannt machten. Zugleich übten Bernd und Hilla Becher mit ihrer Lehre an der Kunstakademie Düsseldorf großen Einfluss aus. Und nicht zuletzt prägten bedeutende monografische Ausstellungen sowie Gruppenausstellungen nachhaltig die Rezeption. L. Fritz Gruber zeigte bereits in den 1950er Jahren August Sander in den Photokina Bilderschauen. Die Kunsthalle Düsseldorf stellte 1976 Fotografien von Walker Evans aus, und Klaus Honnef kuratierte zeitgleich wichtige Gruppenausstellungen dokumentarischer Fotografie im Rheinischen Landesmuseum, Bonn.

Dieser dokumentarisch-künstlerische Ansatz wird mit Doing the Document vorgestellt und zugleich befragt. Walker Evans bezeichnete seine Fotografien nicht als dokumentarisch, sondern sprach von einem „dokumentarischen Stil“. 1967 zeigt das Museum of Modern Art in New York, Werke von Arbus, Friedlander und Winogrand, alle auch hier vertreten, unter dem Titel New Documents. Wo endet das Dokument und wo beginnt die künstlerische Geste? Dies ist eine Frage, die in der Geschichte der Fotografie immer zur Diskussion stand und auch heute, in postfaktischen Zeiten und der zunehmenden Ästhetisierung von Archiv- und Dokumentationsmaterial in der zeitgenössischen Kunst wieder neu zu verhandeln ist. Der Ausstellungstitel Doing the Document löst bewusst die vermeintlichen Gegensätze von „herstellen (doing)“ und „dokumentieren“ auf, um die immer wieder beschworene „Krise der Repräsentation“ im Werk von zwanzig Fotograf*innen und deren Rezeption auszuloten.

TillmansZu verdanken ist diese Ausstellung einer Schenkung von über zweihundert Werken deutscher und amerikanischer Fotograf*innen durch die Kölner Familie Bartenbach, die die Sammlung des Museum Ludwig kürzlich substanziell erweitert hat. Ergänzend zu den reichen Bildkonvoluten vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart, beinhaltet die Sammlung Bartenbach auch Quellenmaterial, das im Zuge der Ausstellung erstmals wissenschaftlich erschlossen wird. Neben der fotohistorischen Aufarbeitung der Sammlung werden auch die Stifter*innen gewürdigt. Das Engagement der Sammler*innen zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass sie nicht auf Einzelbilder fokussiert ausgewählt, sondern reiche und vielseitige Bestände einzelner, international bekannter Künstler zusammengetragen haben. Ihr Interesse am Werk ausgewählter Fotokünstler*innen spiegelt sich in umfangreichen Werkserien, die breite Facetten einzelner Künstler*innen aufzeigen. Die Schenkung ergänzt die Sammlung Fotografie im Museum Ludwig hervorragend, da sie Lücken füllt, sowie bestehende Schwerpunkte vertieft und erweitert. In der deutsch-englischen Publikation wird dies umfassend vorgestellt werden, während die Ausstellung sich ganz auf die Schenkung fokussiert.

Die Ausstellung wird großzügig gefördert durch den Landschaftsverband Rheinland, Russmedia sowie durch eine Förderung der Sparkasse KölnBonn aus dem PS-Zweckertrag der Lotterie des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbandes PS Sparen und Gewinnen.

http://www.museum-ludwig.de/
1.12.2018 - 5.1.2019

Thomas Rehbein

Guilty Marks

Der Name der Künstlerin Dove Bradshaw (*1949) reiht sich in die erste Riege amerikanischer Konzept- und Minimalkünstler ein, mit welchen sie – freundschaftlich verbunden –  seit dem Ende der 1960er Jahre einen regen gedanklichen Austausch führt. Neben Carl Andre, Sol LeWitt und ihrem Lebenspartner William Anastasi übt vor allem John Cage einen maßgeblichen Einfluss auf die junge Künstlerin aus, deren Schaffen er von Anfang an intensiv begleitet und unterstützt.

In Anerkennung, dass das Material nicht dem Gedanken unterworfen ist und in eine Form gebracht wird, sondern eine eigenständige Entwicklung beansprucht, verfolgten die Konzept- und Minimalkünstler Strategien, welche die künstlerische Absicht und Kontrolle negieren. Dove Bradshaw ist dieser ahierarchischen Auffassung verpflichtet, und gesteht ihren Werken die Entfaltung eines eigenen Potenzials zu, welches aus der Beschaffenheit des Materials selbst stammt.

Paint 07, 2017, Öl auf Leinwand / Oil On Canvas, 43 x 36 cm Seit den späten 1960er Jahren setzt Dove Bradshaw die Unbestimmtheit und den Zufall als gestalterische Prinzipien ein, die ihren Umgang mit Materialien bestimmen. Unter dem Einfluss von John Cage, dem sie 1977, 27-jährig erstmals begegnet und dessen Verständnis einer von aller einengenden Doktrin und Konvention befreiten Kunst sie teilt, beginnt sie die unberechenbaren Auswirkungen von Zeit, Wetter, Erosion, sowie Witterungsverhältnissen auf natürliche, chemische und künstlich hergestellte Substanzen zu erproben. Sie nutzt die „Handlungsfreiheit der Chemie“ (John Cage) und behandelt Oberflächen aus Metall mit chemischen Substanzen und Oxidationsmittel. Oft bestreicht sie Blattsilber mit Schwefel, um die ohnehin mit der Zeit eintretende Verfärbung und Entstehung der Patina zu bekräftigen. In diesen quasi experimentellen Versuchsanordnungen bleibt der Ausgang der einsetzenden Reaktionen offen.

In dieser Tradition, chemische Reaktionen und Zufallsprozesse aufzuzeigen, stehen die jüngsten Gemälde, die Bradshaw seit 2008 produziert. Nicht die künstlerische Intervention im Sinne einer kompositorischen Einflussnahme, sondern die fortdauernde Interaktion zwischen der Oberfläche und der Chemikalie lässt Verläufe und Muster entstehen, die sich in permanentem Wandel befinden. Der Ausstellungstitel „Guilty Marks“ (Verräterische Spuren) hingegen legt nahe, dass es sich hier nicht um einwandfreie Zufallsprodukte handelt, sondern vielmehr um Werke, deren Ausgangsbedingungen die nachfolgenden Veränderungen auf der Oberfläche bestimmen. Der Zufall stellt sich erst während der Trocknung ein, in der Zusammenwirkung der unterschiedlichen Substanzen – Tinte, Ölfarbe, Schwefel, Blattmetall, rohes Pigment – die entweder durch Werfen, Schütten oder Tropfen aufgetragen werden und verschiedenartige Anordnungen von Schlieren, Rinnsälen und Strukturen ergeben.

Auch die „Spent Bullets“ basieren auf Prozessen, die sich unmittelbar in einem Material niederschlagen. Als utopische Geste, welche die Umnutzung tödlicher Waffen propagierte, hat Bradshaw 1979 eine .38 Kaliber Bleikugel in Silber gegossen, die bei Schießübungen des New York Police Departments abgefeuert wurde. Derart „verbrauchte“ Kugeln wurden von der Künstlerin aufgesammelt und zu Ohrringen verarbeitet: „Es ist besser, sie außen zu tragen“, so ihr lakonischer Kommentar. Obgleich dekorativ - und als Schmuckstück neu besetzt -  zeugt die geborstene, ausgefranste Hülse eines explodierten Geschosses von Gewalt und Zerstörung.

Die gleichnamigen Skulpturen stellen diese „Spent Bullets“ in 30-facher Vergrößerung dar. Aus Kunstharz durch einen 3-D Drucker modelliert, werden die Formen mit Autolack in den Tönen Mercedes Chartreuse 2018, Toyota Blue 2004, BMW Sakhir Orange 2017 farbig gefasst. Ausgehend von der verformten Kugel präsentiert Bradshaw verführerisch schillernde Objekte, die den ursprünglichen Gegenstand beinahe bis zur Abstraktion verfremden und seinen gefährlichen Kontext entschärfen.

Bettina Haiss, 2018


http://www.rehbein-galerie.de

Im Fokus

TillmansMuseum Ludwig
Doing the Document
Fotografien von
Diane Arbus bis Piet Zwart

31.08.18-06.01.19

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