Künstlergesamtliste

Vernissagen

18.1.2020 - 3.5.2020

Museum Ludwig

Blinky Palermo. Die gesamten Editionen

Der deutsche Künstler Peter Heisterkamp (1943–1977), der sich nach dem Mafioso Frank „Blinky“ Palermo nannte, ist bekannt für seine Objekte, für seine Raumarbeiten, vor allem aber für die leuchtenden Farbfelder seiner Stoff- und Metallbilder, die vermeintlich unmittelbar vor Augen führen, was sie konzeptuell in Frage stellen: die sinnlichen Qualitäten zeitgenössischer Malerei. Weniger bekannt, aber nicht minder klug und anregend sind Werke, die in Auflagen erschienen sind: Sieb- und Offsetdrucke, Lithografien, Objekte und eine Schablone zum Selbstmalen. Palermo hat diese Editionen während nahezu seiner gesamten Laufbahn angefertigt. In ihnen spiegelt sich nicht nur seine Entwicklung von den Sechzigerjahren bis zu seinem frühen Tod 1977, mit ihnen hat er sein Werk bewusst erweitert.

TELEFON, 1971 in Zusammenarbeit mit Gerhard Richter Vierfarbiger Buchdruck mit Siebdruck auf Offsetkarton 60,5 x 48 cm Auflage: 50 Exemplare Museum Ludwig, Köln, Schenkung Ulrich Reininghaus 2017/2018 © VG Bild-Kunst, Bonn, 2019 Foto: Rheinisches Bildarchiv, KölnIm Medium der Reproduktion hat Palermo eine seiner Grundfragen radikalisiert: den Zweifel an Bild und Werk und die Reflexion industrieller Form- und Farbgebung im künstlerischen Nachvollzug. Der abstrakte Gehalt, die Zeichenhaftigkeit einer konkreten Form – von Anfang an Palermos Thema – tritt im Druck noch deutlicher hervor. Zugleich bewahren die Editionen auch den Realitätsgehalt der Zeichen, ihre Stofflichkeit: Reproduziert wird, was der Künstler sorgfältig konzipiert und oft noch während der Herstellung von Hand bearbeitet hat. Palermo hat die Technik der seriellen Fertigung genutzt, um den Statuswandel der Kunst (und das heißt auch: seines eigenen Werks) im technischen Zeitalter zu bestimmen: Das zu zeigen ist das Ziel der Ausstellung.

Dank einer Schenkung des Kölner Sammlers Ulrich Reininghaus besitzt das Museum– als einzige öffentliche Institution – seit 2018 eine vollständige Sammlung von Palermos Editionen. Nun wird diese Sammlung zum ersten Mal präsentiert. Im Zuge der Vorbereitungen wurde sie wissenschaftlich aufgearbeitet, der Ausstellungskatalog dokumentiert die Ergebnisse: Er enthält eine aktualisierte Fassung des vergriffenen Werkverzeichnisses Die gesamte Grafik und alle Auflagenobjekte 1966 bis 1975, das der Münchener Galerist und Verleger Fred Jahn 1983 herausgegeben hat.

http://www.museum-ludwig.de/
8.2.2020 - 2.5.2020

Galerie Julian Sander

Gerd Sander collection

Ausstellung zu Ehren des 80. Geburtstages Gerd Sanders

gerd sanderAuswahl von Werken aus allen Genres der Sammlung Gerd Sanders. In gewisser Weise ist es auch eine Abrechnung mit einer sich verändernden Kulturlandschaft und eine Erinnerung daran, dass wir als Zuschauer für die Künste ebenso verantwortlich sind wie für die Künstler, die sie produzieren.
 
Otto Steinert - Weegee - Robert Lebeck - Chargesheimer - Clarence Laughlin - Josef Sudek - Frantisek Vobecky - André Kertész - Peter Keetman - Claude Tolmer - Louis Faurer - Umbo - Gerard Fieret - WOLS - Harold Edgerton - Walker Evans - August Sander - Lisette Model - Maurice Tabard - Hugo Erfurth - Aaron Siskind - Paul Citroen - Adolf Lazi - Erwin Blumenfeld - Marcel Broodthaers - Jaromir Funke - F.C. Gundlach - Helen Levitt - Man Ray - John Cohen - Ed van der Elsken - Toni Schneiders - u.v.m.

www.galeriejuliansander.de
13.1.2020 - 26.4.2020

Museum Angewandte Kunst

Gruppe Pentagon

Anfang der 1980er-Jahre brach eine junge Generation von Gestalterinnen und Gestaltern in der ganzen BRD mit der bis dahin für das deutsche Design charakteristischen „Guten Form“. Angeregt durch die Konzepte von Memphis und Alchimia in Italien, erlebte auch das deutsche Design eine radikale Erneuerung. Einer der Protagonisten war das Kölner Kollektiv Gruppe Pentagon, 1985 gegründet von Gerd Arens, Wolfgang Laubersheimer, Reinhard Müller, Ralph Sommer und Meyer Voggenreiter. Pentagon arbeitete mit Stahl und Plexiglas, kombinierte diese mit Stein, Gummi oder Leder, auch mit Gebrauchsgegenständen aus dem Alltag und gab dem Ganzen einen postmodernen Kick. 1987 war das Kollektiv mit dem Projekt „Café Casino“ Teil der documenta 8 und auf der Biennale in Sāo Paulo. Danach stellten sie u.a. in Mailand, Rotterdam und Wien aus.

Die raumgreifende Inszenierung der Ausstellung im MAKK wird von den Pentagon-Mitgliedern im Kollektiv gestaltet und ist die erste gemeinsame Arbeit seit der documenta 8. Die Werke der Gruppenmitglieder, die fast lückenlos aus Privatsammlungen stammen, werden in einer raumgreifenden Installation in der zentralen Ausstellungshalle präsentiert. Die Möbel werden zu Performern vor einer Filmcollage, die die 1980er-Jahre reflektiert und die Arbeiten in einen kulturellen und zeitgeschichtlichen Kontext stellt.

pentagon chairBestandteil dieser Installation ist das „Café Casino“: Das Café, das in Kassel 1987 in den Räumen einer ehemaligen Diskothek für 100 Tage installiert war, beinhaltete eigens gestaltete Möbel – wie beispielsweise die ikonischen d8-Stühle im Zick-Zack-Look – aber auch Objekte, die mittels des Pentagon-Stempels „umfirmiert“ wurden. So verwandelten sich Geschirr einer deutschen Porzellanmanufaktur oder Gläser eines ebenfalls deutschen Glasherstellers in Pentagon-Geschirr bzw. Pentagon-Gläser. Diese spannende Änderung der Autorschaft war zum einen augenzwinkernde Provokation, zum anderen aber auch Zeichen der Auseinandersetzung mit tradierten Werten. Die umfassende Gestaltung des „Café Casino“ machte aber nicht bei den Einrichtungs- und Gebrauchsgegenständen halt, auch die Auswahl der angebotenen Speisen und die dazugehörige Speisenkarte wurden gemeinsam entwickelt. Im MAKK wird ein Teil des Cafés inklusive der damals zerstörten Stehtische anhand von Originalentwürfen nachgebaut und im Rahmen von Aktionen „wiederbelebt“.

pentagonEin weiterer Ausstellungsbereich ist den grafischen Arbeiten gewidmet – den Entwürfen, Zeichnungen, Geschäftspapieren, Katalogen und Akzidenzdrucken wie Plakaten oder Einladungskarten. Diese in privaten Sammlungen erhaltenen Dokumente können hier erstmals präsentiert werden und geben einen spannenden Eindruck in die Aktivitäten der gesamten Gruppe. Keimzelle und Herzstück war die 1985 gegründete legendäre Galerie Pentagon, die ursprünglich als Produzentengalerie konzipiert war. Diese machte dann aber ebenso mit einem dezidierten Ausstellungsprogramm Furore: Möbel Perdu, Siegfried Syniuga, Jasper Morrison, Stiletto, Hans-Peter Adamski oder Andreas Brandolini wurden mit Objekten an der Schnittstelle zwischen Kunst und Design zu Wahlverwandten – und sorgten nicht nur in Köln für Gesprächsstoff. Hinzu kamen die oftmals mehrdeutigen Titel für eigene oder Gruppenausstellungen, die nicht zufällig auch die politische Situation in den 1980er Jahren aufs Korn nahmen. „Herbstmanöver“, „Wirtschaftskriege“ oder „Statussymbole“, „Griff in den Staub“ und schließlich „Wieder Aktionismus“ lassen gleichermaßen aufschrecken wie auch schmunzeln.

Die Geschichte der Gruppe Pentagon und des Neuen Deutschen Designs wird darüber hinaus in einem 15-minütigen Dokumentarfilm erzählt. Der Film zeigt Interviews mit den fünf Akteuren, deren Wegbegleiter*innen und aktuellen Statements, unterfüttert von originalen Videoaufnahmen aus den 1980er-Jahren.

Die Ausstellung im MAKK eröffnet zeitgleich zur imm cologne und den PASSAGEN 2020.

Design Gruppe Pentagon wird gefördert durch die Peter und Irene Ludwig Stiftung und durch die Overstolzengesellschaft.

http://www.makk.de/
6.3.2020 - 11.4.2020

Thomas Rehbein

BÉNÉDICTE PEYRAT

Où en est l'herbe?

Tapferes Mädchen, 2017, Aquarell auf Leinen / watercolor on canvas, 140 x 110 cmVor den Gemälden von Bénédicte Peyrat wird schnell klar, diese Künstlerin liebt nicht nur die Farben, sondern auch die Fülle. In barocker Sinnlichkeit begegnen uns merkwürdige, meist rundliche und fleischige Figuren, die so eigenwillig handeln wie sie aussehen. (…) Menschen und Dinge führen ein Leben, das nicht nach modischem Wohlstand giert, sondern in autarker Ursprünglichkeit daherkommt. Hier ist kein Mangel an nichts und die Nacktheit der Figuren steigert deren Eindringlichkeit, die bisweilen naiv wirkt, wenn da nicht jener Hauch über den Szenen liegen würde, der von Hoffnungen kündet, die wohl kaum jemals Wirklichkeit werden. Vision und Realität überlappen sich und der Frohsinn der Protagonisten kaschiert kaum jenen Abgrund, der viele von Peyrats Figuren umgibt – das Bewusstsein einer Einsamkeit hinter der Heiterkeit. Bénédicte Peyrat ist eine Porträtistin und sie liebt die, die sie malt und mit bewegtem Strich zwischen Licht und Schatten bildet. Die Abgründe unserer Existenz münden auf diesen Bildern, möglicherweise genau deshalb, weder in methodischer Verengung noch werden sie zum Vorwand ergrübelter Bildnerei. Das Personal ist authentisch, weil es jenseits von Erinnerung, Wahrnehmung und Dichtung ein Miterleben gibt, eine Form der Identifikation, die sich ohne Distanz und Schminke auf die Personen einlässt, die die Bilder bevölkern.

Bénédicte Peyrat entführt uns in geheimnisvolle, arkadische Landschaften, die mit traumwandlerischen, phantasmagorischen Entdeckungen überraschen. Sie vermeidet eine direkte geographische und zeitliche Einordnung, sucht aber den Dialog mit den Epochen und Stilen der Kunstgeschichte. Hier entlädt sich ein flämisch-niederländischer Barock unter impressionistischen Himmeln und ist mit einer Erzählung aufgeladen, die durch ihre brüske Abkehr von den Verheißungen einer uniformen Gegenwart diese als Groteske desavouiert. Geschichte und Gegenwart greifen ineinander und alles, was geschieht, ist lebensnah und entrückt gleichermaßen. (…)
(aus einem Text von Erik Stephan, 2016)

http://www.rehbein-galerie.de

Im Fokus

Koeln-Art Newsletter

Newsletter-Bestellung

Ihre Kontaktdaten

Sicherheitsfrage